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Irgendwann im August fiel ein kleiner grüner Apfel vom Baum. Er fiel
herab, kullerte ein wenig durchs Gras und blieb liegen. Er lag da und
besah sich seine neue Umgebung. Er lag da und wartete. Er lag also da,
schaute und wartete. Irgendwann bemerkte er, dass sich nichts dadurch änderte,
dass er nur da lag, schaute und wartete. Zumal ihm allmählich bewusst
wurde, dass er nicht einmal genau wusste, worauf er denn nun wartete. So
fing er an darauf zu warten, dass ihm einfiel worauf er wartete. Darüber
wurde es Nacht. Und er lag immer noch da. Nur das Beobachten seiner
Umgebung wurde allmählich mühselig und er beschloss, ein wenig zu
schlafen. Als er erwachte, kroch die Sonne gerade hinter dem Stamm
seines Baumes empor. Verduzt beobachtete der kleine, grüne Apfel, wie
der Stamm in ihrem Licht erstrahlte. Sonst kitzelte sie zuerst die
untersten Blätter. Aber heute streichelte sie zuerst den Stamm.
‚Aha’, dachte der kleine, grüne Apfel, ‚die Sonne hat ihren Lauf
also geändert.’ So lag er nun im Gras, im ersten Licht des Tages und
grübelte darüber nach, warum die Sonne ihren Lauf heute verändert
hatte. Da kam ihm die Idee, dass es doch gut möglich wäre, dass es so
ist, wie es ist, weil er vom Baum gefallen war. Sicherlich war das ein
denkwürdiges Ereignis und die ganze Welt musste durcheinander geraten
sein. Er schaute vor sich in das Gras und bemerkte ein seltsames Wesen,
dass sich mühsam seinen Weg durch die Halme bahnte. ‚Aha’, dachte
wieder der Apfel, ‚es hat zwar gedauert, aber nun kommen sie endlich,
mich zu begrüßen.’ Er setzte sich in die majestätischste Pose, die
dem kleinen, grünen Apfel nur
gelingen mochte. So saß er und erwartete das Willkommen des seltsamen
Wesens. Aber das scherte sich nicht um den kleinen, grünen Apfel,
schien ihn nur kurz zu beäugen und wackelte dann weiter. ‚Wie unhöflich’,
dachte der kleine, grüne Apfel und begann wieder zu warten. Doch
diesmal wollte er darauf warten, dass er als das geschätzt wurde, was
er war. Als kleiner grüner Apfel, der gestern vom Baum gefallen war und
wegen dem die Sonne ihren Lauf verändert hatte. Aber nichts geschah.
Nur ein wenig ungemütlich wurde ihm allmählich, denn die Sonne schien
nun schon neben der Blätterkrone des Baumes direkt auf ihn herab. Und
wieder dachte der kleine, grüne Apfel ‚aha, sie will mich ins rechte
Licht setzen, damit ich auch gut gesehen werde.’ So reckte und
streckte er sich wie es nur ging und ließ sich noch mehr von der Sonne
bescheinen. So saß er da, Stunde um Stunde und die Sonne stieg höher
und .. eigentlich passierte nichts weiter. Da wurde der kleine, grüne
Apfel traurig. Und er begann verdrießlich vor sich hinzustarren. Bis plötzlich
ein Vogel vor ihm landete
und anfing, auf ihn einzuhacken. Der kleine, grüne Apfel bekam es mächtig
mit der Angst zu tun und schrie und krakelte so laut er nur konnte. Und
als er so schrie und krakelte, da erhob sich der Vogel und flog davon. Mächtig
stark kam sich der kleine, grüne Apfel da vor und beschloss, jedem, der
ihm begegnete zu erzählen, er hätte einen Kampf mit einem
riiiiiiiiiiesigen Vogel gewonnen. Und er malte sich die
Geschichte in seiner Fantasie in den buntesten Farben aus. Zu seinen
Gunsten natürlich .. das versteht sich von selbst. Und als er daran
keinen Spaß mehr hatte, wartete und schaute er wieder. Da bemerkte er,
dass der Vogel ein großes Loch in ihn gehackt hatte, dass bereits ganz
braun geworden war und allmählich austrocknete. Und da bekam der
kleine, grüne Apfel es wieder ganz fürchterlich mit der Angst zu tun,
weil ihm plötzlich bewusst wurde, worauf er hier wartete. Auf seinen
Tod. Er wartete darauf zu sterben und nicht mehr länger ein kleiner, grüner
Apfel zu sein. Oh wie ungerecht das alles war. Er war schließlich wer
und es gehörte sich nicht, so einfach sterben zu müssen. Er war schließlich
ein kleiner, grüner Apfel. Es gab sicher nichts wichtigeres. Immerhin
hatte die Sonne ihren Lauf geändert, als er vom Baum fiel. Und
als er so nachdachte und immer trauriger wurde, da bemerkte er, wie sich
in seinem Bauch etwas bewegte. Es kitzelte und rappelte und schien nach
draußen zu wollen. Er schaute hinein und sah sieben kleine, braune
Kerne. ‚Hey wer seid ihr und was macht ihr da ?’, fragte der
kleine, grüne Apfel die sieben kleinen, braunen Kerne. Die lachten und
sprachen, ‚ Du bist ja ein komischer Apfel. Wir warten hier, dass Du
zu Erde wirst, damit wir wachsen können. Aus uns werden einmal sieben,
kleine Apfelbäume, an denen lauter kleine grüne Äpfel so wie Du
wachsen werden und darauf warten, rot und gelb zu sein.’ Diese
lustigen kleinen braunen Kerne riefen ein sonderbares Gefühl der Ruhe
und Zufriedenheit in dem Apfel hervor. Er war plötzlich nicht mehr
klein und er wusste, dass die Sonne ihren Lauf gar nicht geändert
hatte, zumindest nicht wegen ihm. Er lag im Gras und war zufrieden, ein
grün – brauner Apfel zu sein und träumte von all seinen Kindern, die
schon bald im Licht der Sonne mit dem Wind spielen würden ....
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