| Dornröschen |
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| Da kommt das
Patriarchat ins Land, furchtbar grausam und laut. Und trifft auf das
gute alte Matriarchat. Das mag das Laute nicht so. Ist ja auch schöner
so mit knuddeln und alle lieb haben. Es hat auch ein paar Feen da, falls
es doch mal bisschen eng wird. Von denen will sich das Patriarchat auch
nicht gleich trennen. Zwölf kann man ja erst mal behalten, so für die
zwölf Sonnenmonate. Die Dreizehnte aber muss weg, Mondkalender ist
nicht mehr angesagt. Nun kriegt da so ein Königinnenfrauchen ein Kind. Hat`s sich`s ja auch schon ewig gewünscht. Ist nun auch so, wenn kein Kind kommt, muss sie gehen. Ob es dann auch an ihr liegt, ist mittlerweile egal. Da geht sie zum Teich und wünscht es sich von der Kröte, die da hockt. Kröten haben auch schon früher Fruchtbarkeit geschenkt, warum sollten sie es nun nicht mehr tun ? Nur weil die Männer so laut geworden sind ? *hm* man kann ja mal fragen. Und weil sie das so lieb gemacht hat, kriegt sie auch bald ihr Kind. Ein Mädchen. Na gut, denkt sich der König, besser als gar nichts. Hat sein Königinnenfrauchen ja recht lieb. Darf er nur nicht mehr so offen zeigen. Zu so einer Geburt kann man auch schon mal eine Riesenfete steigen lassen. Da muss man schon mal einen ausgeben ... Also alle eingeladen in`s Schloss und losgefeiert. Die zwölf Feen, die noch genehm sind, sollen auch kommen. Aber man(n) ist ja wer. Die dreizehn silbernen Teller werden verkauft und zwölf goldene dafür hingestellt. Bisschen protzen muss schon sein ... Nun trudeln die Feen auch so langsam ein und beschenken das Kindchen mit ihren Zaubergaben. Ja, ja da erkennt man doch, wozu solch Zauberfrauen gut sind. Kann man noch bisschen was abstauben. Macht sich bestimmt gut in der Zukunft. Die Dreizehnte ist aber nicht sonderlich begeistert. Sieht ja schon, wo das ganze Tam Tam hinführt. Kann nämlich bisschen in`s Morgen gucken. Da stürmt sie also zum Tor rein und schimpft ganz fürchterlich. Will, daß das Kindchen doch lieber wieder zum Tor rausgeht, als hier so im Getrampel dahin zu vegetieren. Die Zwölfte ist aber so herzensgut und da gehen die beiden eine Abmachung ein. Wenn`s Kindchen erstmal dreizehn, na sagen wir fünfzehn ist, dann soll`s hundert Jahre schlafen. Ist manchmal ganz gut sowas. Heute versuchen die Leute sich einzufrieren, damals gings noch so. Die Eltern sind gleich ganz aus dem Häuschen und sperren das Kind weg. Nur Feen kennen das Schicksal ... Ging nicht anders. Die Eltern gehen also weg am fünfzehnten Geburtstag. Vernachlässigung der Aufsichtspflicht sagt man heute, aber da ging ja alles noch so ein bisschen drunter und drüber. Da macht sich das Kindchen auf den Weg zum Turm. Ist neugierig, kennt ja hier noch nichts weiter. Da trifft sie dann eine Frau, schon ziemlich verhutzelt die Gute. Aber lieb. Die klärt das Kind, welches sie "Dornröschen" nennt, erst mal ein klein wenig auf. Da plötzlich .. batsch ... batsch ... fällt Blut auf den Boden. Was ist denn nun ? Nichts schlimmes. Dornröschen wird eine Frau. Kichert auch bisschen verlegen. Aber die Frau, die die dreizehnte Fee ist, nimmt das Dornröschen in die Arme. So bisschen kuscheln ist immer gut für`s Seelchen. Dann zeigt sie ihr, wie man mit Zeit umgeht, am Spinnrad, das kennt sie ja von den Nornen. Und dann pflanzen sie eine Dornenhecke um`s Schloss und alle fangen an zu schlafen. Das Matriarchat ist nun nämlich endgültig futsch ... Nur die beiden in ihrem Turm quasseln und spinnen und tanzen. Haben ja genug Zeit. Ab und zu poltert es draußen ganz schön. Da wollen dann Männer durch die Hecke. Ziehen ihr Schwert und dreschen auf die Pflanzen ein. Aber solche brutale männliche Sexualität kommt hier nicht durch. Dornröschens Seelchen will doch was zum liebhaben, nicht zum kaputtgemacht werden. Nach hundert Jahren dann kommt endlich mal einer, der nicht so unglaublich hohl in der Birne ist. Da fangen die Hecken an zu blühen und geben ihm den Weg frei. Dornröschen ist auch schon ganz aufgeregt. Ist doch ziemlich niedlich der Mann. Ja und dann werden sich beide auch schnell einig. Ist ja so vorgesehen vom Schicksal. Und dann gibt´s viel Geknutsche und Gedrücke und alle haben sich wieder lieb. Das Fest war dann schön, haben doch geheiratet die beiden. Aber anders schön, als das Geburtsfest vom Dornröschen. Gab`s dann kein Geprahle und Gepoltere. Matriachat und Patriarchat haben sich endlich mal zusammengeschlossen. Das Ergebnis war dann himmlisch, traumhaft schön .... |
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Text: Wiborada Sylvia Hildebrandt (nach Ideen von Luisa Francia) |
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