Richtung

 

 
 


Zwei Menschen einander fühlend
an einem Ort,
der keinerlei Verlangen in sich trägt,
ein Ort zu sein,
um gemeinsam die Welt zwischen Alleinsein
und Schweigen zu erkunden.

Zwei Augenpaare,
so verschieden,
daß sie jeweils die Augen des Gegenübers sind.
Die eigenen Augen,
sich findend im Kopf des Anderen.

Unausgesprochene Worte
schweben durch den Nebel des Raumes,
der sich im Schein einer einzelnen Kerze
aufzulösen scheint,
da er keinerlei Verlangen in sich trägt,
Nebel zu sein.

Dann nimmt sie Gestalt an,
die Stille,
die aus sich selbst geboren wird.
Diese Stille,
die danach verlangt,
gehört zu werden.
Mit tosendenden Wellen ihrer Selbst,
sich an Wänden des Nichts brechend.
Laut aufschreiend
noch bereit,
Angst zu schenken,
an diese Zwei,
die längst nicht mehr dem Schutz
der Angst bedürfen.

Noch im Kommen ist jeder allein,
für sich,
den anderen nur hoffend.
Und die Stille?
Geht allmählich über in Schweigen.
Sich wie ein sanfter Regen
auf die Haut legend.

Nun ist es an der Zeit,
den Kelch
aus dem Kreis des Lichts zu nehmen.
Sich einander zu begegnen.
Das engende Gefühl der Einsamkeit
weicht dem fließenden Ich
dieser nicht erahnten Seligkeit.

Im Dunkel der Nacht
zwei Menschen
zusammen
allein ...


 
 

Text von Wiborada Sylvia Hildebrandt

 

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